Kirche und Staat - Sie haben die Wahl

wahlkreuz_grau_by_peter_weidemann_pfarrbriefservice (c) Peter Weidemann in Pfarrbriefservice.de
Mi 26. Aug 2020
Agnes Peters

Leitartikel im September von Pfr. Erik Pühringer

Kirche und Staat – Sie haben die Wahl!

 

In diesem Jahr finden keine kirchlichen Wahlen statt, erst 2021 enden die Wahlperioden für Kirchenvorstand und GdG-Rat. Dennoch blicke ich jetzt schon auf diese Wahlen und auf die anstehenden Kommunalwahlen. Nein – keine Sorge – ich mache keine Wahlwerbung für irgend eine Partei oder eine/n Kandidatin/en. Und doch lohnt es sich, kirchliche und staatliche Wahlen näher zu betrachten, denn Sie haben die Wahl – und das mehrfach, sogar mehr als Sie Stimmen haben!

Moment, mehr als Stimmen – wie soll das gehen? - Doch lesen Sie selbst!

 

Die Kirche müsste …!“ „Der Bürgermeister sollte …!“ „Die Politiker müssen …!“ Sätze, die so anfangen, kennen Sie alle und haben Sie sicherlich schon oft gehört – auch von mir. Es gibt ja auch genügend Gründe zur Klage. Vieles könnte und müsste verbessert werden, keine Frage.

 

Sie haben die Wahl! - In regelmäßigen Abständen werden sowohl in Politik und Kirche Mitbestimmungsgremien – Räte – gewählt. Bei kirchlichen Wahlen dürfen Sie mehrere Kandidaten wählen. Die Kandidaten mit den meisten Stimmen sind dann in den Kirchenvorstand oder GdG-Rat gewählt. In der Politik haben Sie nur eine Stimme pro Wahlzettel. Im September wählen wir neben Landrat und Bürgermeister je einen Vertreter für den Stadtrat und den Kreistag über ein Direktmandat. Mit allen abgegebenen Stimmen wird zusätzlich der Anteil der Sitze der Parteien im Stadtrat oder Kreistag ermittelt. Sie können somit selber wählen, wer am besten Ihre Interessen vertreten kann und soll. Sie haben die Wahl!

 

Sie haben die Wahl! - Sie können bei den Wahlen Ihre Stimme abgeben – im Wahllokal oder per Briefwahl –, einen Kandidaten wählen oder sich enthalten, oder fern bleiben und somit nicht wählen. Das bedeutet dann, dass Sie kein Interesse an Politik oder Kirche haben und es Ihnen egal ist, dass im Zweifelsfall keiner Ihre Anliegen vertritt. Hinzu kommt noch, dass Klagen über Kirche oder Politik dann verlogen sind, denn Sie hätten ja wenigstens wählen können. Sollten Sie nämlich nicht wissen, wer Ihre Interessen am besten vertreten könnte und wen Sie wählen sollten, können Sie mit einer ungültigen Stimme zumindest Ihr Interesse bekunden. Ich bitte Sie daher: GEHEN SIE WÄHLEN! Und doch gilt auch hier: Sie haben die Wahl!

 

Sie haben die Wahl! - Kirche und Gesellschaft leben von Menschen, die sich einsetzen für die Gemeinschaft aller. Beide brauchen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, die Ideen haben und Ihre und die Wünsche und Vorstellungen anderer Menschen versuchen zu verwirklichen. Das sind dann diejenigen, die kandidieren und sich zur Wahl stellen. Und das kann jeder, auch Sie. Wenn Sie meinen, dass sich etwas ändern sollte, dann haben Sie wieder die Wahl. Sie können zu einem gewählten Vertreter gehen und ihm Ihre Ideen und Wünsche mitteilen mit der Bitte, sie zu verwirklichen. Sie können aber auch, wenn Sie das Gefühl haben, die Gewählten machen das nicht so, wie Sie es gerne hätten, bei der nächsten Wahl selber kandidieren und – wenn Sie gewählt werden – mitbestimmen, was in der Kirche oder in der Politik wie verändert werden soll. Sie haben die Wahl!

 

Ich hoffe, Sie haben nicht nur gemerkt, dass Sie weit mehr wählen können als Sie Stimmen haben. Ich hoffe, Sie haben eine Ahnung bekommen, wie wichtig es ist, frei wählen zu können, ob und wen Sie wählen wollen. Und ich hoffe, dass Sie nicht mehr nur fehlende Veränderungen beklagen, sondern Ihre Ideen zukünftig versuchen zu verwirklichen, indem Sie sie den Gewählten mitteilen oder sogar selber kandidieren. Vor allem für den GdG-Rat suche ich dringend Menschen, die das kirchliche Leben in unseren Gemeinden mitgestalten wollen und so Kirche verändern.

 

Wenn Politik und Kirche sich verändern sollen, dann sollten Sie bitte bedenken: Veränderungen fangen immer klein an – mit Ihrer Stimme – mit Ihrem Engagement. Sie haben die Wahl!

 

Ihr Erik Pühringer, Pfarrer