Pfingsten - Geburtsstunde der Kirche

mal ganz anders

pfingsten_01_kleinostheim_by_friedbert_simon_pfarrbriefservice (c) Friedbert Simon in Pfarrbriefservice.de
Di 19. Mai 2020
Agnes Peters

Pfingsten – Geburtsstunde der Kirche – mal ganz anders

 

Der Pfingsttag gilt als die Geburtsstunde der Kirche. Der Empfang des Heiligen Geistes befähigt die Jünger, die verschlossenen Türen zu öffnen und hinaus zu gehen zu den Menschen und ihnen das Evangelium zu verkünden.

 

Jahr für Jahr feiern wir am Pfingstwochenende mehr oder weniger bewusst die Öffnung der Kirche für die Welt, für alle Menschen. Meistens vergessen wir dabei, dass auch wir wie die Jünger gesendet und durch den Heiligen Geist befähigt werden, die frohe Botschaft weiterzusagen. Mit dem Schlusssegen und dem Schlusslied der Pfingstmesse ist ein Endpunkt erreicht. Der Aufbruch zu den Menschen ist vertagt, es geht nach Hause. So erlebe ich es Jahr für Jahr.

 

Doch diesmal ist es ganz anders.

 

OK, vielleicht klingt das etwas zu optimistisch. Nein, ich glaube nicht, dass sich in diesem Jahr etwas ändert und auf einmal der Heilige Geist wirkt, alle anfangen, zu erzählen, was sie erlebt haben, und so den Glauben weiterzugeben. Ja, ich glaube, dass der Heilige Geist auch heute wirkt, aber es wäre für mich ein mittelgroßes Wunder, wenn alle Glaubensboten werden. Ich würde es mir wünschen, denn dann wird Kirche das, was sie sein sollte, Gemeinschaft der Glaubenden, lebendig und vielfältig, und nicht abhängig von Amtsträgern, die Vorgaben machen und denen zu folgen ist. Dann könnte es kleine Gemeinschaften und Hauskirchen geben, die zur Eucharistiefeier zusammen kommen, die sich untereinander austauschen und vernetzen, in denen Glauben und Leben stattfindet, die einladend und offen für alle sind. Wenn das passieren sollte, dann haben wir wirklich Pfingsten.

 

Doch auch ohne die Verwirklichung dieses Traums kann Pfingsten in diesem Jahr ganz anders sein. Sofern kein Anstieg von Corona-Erkrankungen geschieht, der neue Verordnungen und Einschränkungen erforderlich macht, ändert sich mit dem Pfingstfest etwas wesentlich. Wir gehen hinaus mit der frohen Botschaft! Denn ab Pfingsten finden die Gottesdienste und Messen nicht mehr zentral in Mechernich sondern wieder in allen Pfarrkirchen zu den gewohnten Zeiten statt. Das ist, wenn Sie so wollen, ein kleiner Aufbruch, ein erster Schritt der Öffnung in eine Normalität und in die Welt, erlebbar dank Corona.

 

Und, sehen Sie es mir nach, ich träume weiterhin von den weiteren Schritten hin zu einer Kirche der vielen kleinen Gemeinschaften und Hauskirchen, in denen der Heilige Geist lebendig und wirksam ist, die aus dem Geist Jesu, aus dem Evangelium leben und ihren Alltag gestalten. Ja, ich träume von diesem Pfingstereignis, das alle Türen öffnet, dass der Heilige Geist auf alle herabkommt und alle Menschen erfüllt – so wie damals in der Geburtsstunde der Kirche.

 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familienangehörigen ein frohes Pfingstfest, erfüllt von dem Heiligen Geist, der uns Türen öffnen und aufbrechen lässt.

 

Ihr Erik Pühringer, Pfarrer