unendlich - endlich

Leitartikel von Pfr. Erik Pühringer

Allerheiligen (c) Pfarrbriefservice.de
Allerheiligen
Di 24. Sep 2019
Agnes Peters

endlich – unendlich

 

Wenn der Monat November eine Überschrift bräuchte, wäre für mich „endlich – unendlich“ die richtige. Für mich bringen diese beiden Worte wunderbar die Vielzahl der besonderen Tage zum Ausdruck und fassen sie geschickt zusammen. Ob Allerheiligen und Allerseelen oder Volkstrauertag und Christkönig oder gar der Sessionsauftakt – alles hat für mich mit endlich und unendlich zu tun. Und die Natur unterstreicht das mit dem Fallen der Blätter. Endlich – unendlich!

 

Die Endlichkeit zeigt mir der November mit den kirchlichen Festen Allerheiligen und Allerseelen und dem Christkönigsfest, Anfang und Ende des Monats. Am Anfang gedenken wir der schon Verstorbenen, die entweder im Kreis der Heiligen oder aber aller Verstorbenen angekommen sind. Ihr Leben ist in unserer Welt beendet, endlich, doch nun sind sie, das glaube ich, bei Gott im ewigen Leben, unendlich. Das Christkönigsfest am Ende des Monats führt mir dann meine eigene Endlichkeit und die der ganzen Welt vor Augen. Wenn Jesus Christus als der König wiederkommt, dann endet unsere Welt und mein Leben in ihr und es beginnt das Reich Gottes, ein neuer Himmel und eine neue Erde, das keine Grenzen kennt und damit unendlich ist. Allen drei kirchlichen Festen liegen beide Worte der Überschrift zugrunde, eine Endlichkeit, die von Gott in Unendlichkeit gewandelt wird. Das gibt mir für mein Leben Hoffnung und Zuversicht, ruft doch am Ende meines Lebens in dieser Welt Gott mich nach hause. Kann es etwas Schöneres geben als diese Vorstellung?

Der Volkstrauertag erinnert mich an das unendliche Leid, dass Krieg und Vertreibung mit sich bringen. Der Krieg und die Vertreibung finden irgendwann immer ein Ende, sind endlich. Die Schäden der Seele, die Verletzungen und Prägungen der betroffenen Menschen hingegen scheinen mir lange Zeit nachzuwirken. Selbst wenn die direkt Betroffenen schon tot sind, wirken sie in den Kindern und Enkeln mitunter weiter. Damit gibt der Volkstrauertag mir die Mahnung mit auf den Weg, dass es nie wieder Krieg und Gewalt geben sollte. Diese Mahnung sollte für immer gelten, unendlich sein, und doch scheint es, als hätte ich sie schon längst vergessen.

 

Mitten in diese von Trauer und Totengedenken geprägten Tage platzt der Sessionsauftakt am 11.11. hinein. Als ein Tag, an dem die Freude am Leben ausbricht, scheint er so gar nicht zu den anderen Tagen zu passen. Und doch finde ich, dass auch er Endlichkeit und Unendlichkeit beinhaltet. Natürlich findet das freudige Feiern des Beginns der Karnevalszeit ein sehr schnelles Ende, bei manch einem vorzeitig und beschleunigt durch den Getränkekonsum. Gleichzeitig wird aber auch Fröhlichkeit, Freude am Leben und Frohsinn in den Feiern deutlich. Sie sind etwas, was ich in meinem Alltag viel zu selten lebe und fast schon durch den Ernst des Lebens vergessen habe. Dabei bin ich doch durch Tod und Auferstehung Jesu ein Erlöster und könnte mich darüber freuen, dass ich Anteil am ewigen Leben habe. Ist das nicht ein Grund für unendliche Freude? Warum tue ich mich dann nur so schwer, diese Freude zu zeigen und zu leben? Losgelöst von Karneval und Alkohol sollte die Freude am Leben immer in mir und durch mich lebendig sein, nicht nur in der zeitlich befristeten Session.

 

Endlich – unendlich hat für mich mit allen besonderen Tagen des November zu tun.

 

Endlich unendlich, ohne den Bindestrich, ist Ziel meines Lebens. Endlich im ewigen Leben ankommen – ok, bitte jetzt noch nicht – aber als eine Zielperspektive, die mir der Monat November anbietet, das ist schon eine schöne Aussicht. Hoffnungsvoll und zuversichtlich, glücklich und froh darf ich schon jetzt in freudiger Erwartung der Unendlichkeit in einer endlichen Welt leben. Danke, November, das du mir das ständig zeigst.

Ihr Erik Pühringer, Pfr.