



© Friedbert Simon in Pfarrbriefservice.de
Herzlich willkommen im Pastoralen Raum Mechernich
Herzlich willkommen im Pastoralen Raum Mechernich
Ein chinesisches Sprichwort sagt: Glaube ist der Vogel, der singt, wenn die Nacht am dunkelsten ist!
Ich finde, dieses Sprichwort bringt gut auf den Punkt, was unseren Glauben und unsere Hoffnung ausmacht. Wenn die Nacht am dunkelsten ist, wenn es scheinbar keine Hoffnung mehr gibt, dann singt der Vogel Glaube, dann kommt der Glaube zum Zuge. Mir fallen drei verschiedene Erlebnisse ein, die ich ihnen erzählen will.
Das erste ist die Geschichte der Emausjünger vom Ostermontag. Es ist für mich eine Erzählung, wie Glaube wirken kann. Der Fremde erklärt den beiden Jüngern, die zu tiefst betrübt sind und sich noch im Dunkel der Nacht befinden, ihre Geschichte. Er bietet ihnen aus ihrem Glaubenswissen die Deutung des Erlebten an. Und bei der Brechung des Brotes am Abend erleben sie, dass Glaube und Deutung Realität werden. Ihnen gehen die Augen auf und sie erkennen den Auferstandenen.
Der Karfreitag ist für mich ein ungeheuer intensiver Moment des Glaubens.Der Gott, an den ich glaube, lässt sich am Kreuz festnageln. Er geht so weit, dass er für meine Schuld – für mich – stirbt, damit ich – von Schuld befreit – leben kann. Welch eine unendlich große Liebe! Welch ein riesiges und unverdientes Geschenk! Im Moment des Todes, so heißt es im Evangelium, zerreißt der Vorhang im Tempel, der die Gegenwart Gottes verbarg. Gott ist für alle zu sehen, am Kreuz. Er hat sich festgelegt mit seiner Liebe zu jedem Menschen. Diese Liebe Gottes, dieser Gott leuchtet schon im Dunkel des Todes auf. Ich brauche nicht mehr auf die Auferstehung warten, um das erkennen und erleben zu können.
Das dritte Erlebnis klingt für Sie vielleicht seltsam und komisch. Während meiner Chemotherapie 2010 gab es – mindestens – drei Momente, an denen ich am Ende war, einmal wegen nicht auszuhaltenden Schmerzen, einmal wegen ständiger Übelkeit und einmal wegen der Unfähigkeit, irgend etwas schlucken zu können. Bei den ersten beiden Malen redete mir eine Krankenschwester oder die diensthabende Ärztin gut zu und schenkten mir neuen Mut. Und das, was sie sagten, traf ein - und zwar viel besser. Beim dritten Mal besuchte ein Pharmavertreter die Oberärztin und brachte ihr ein neues Medikament, dass sie an mir ausprobierte und mir auf wunderbare Weise sofortige Linderung verschaffte. Für mich sind das Momente, wo Gott an mir, für mich gehandelt hat. Ich glaube, er hat mir in diesen für mich dunklen Stunden diese Menschen gesendet und durch sie Heil gewirkt – ohne dass sie es selbst gemerkt haben.
Ja, Gott wirkt und bewirkt heute in unserer Welt durch Menschen vermittelt sein Heil. Nicht immer können wir es sofort erkennen, aber im Rückblick kann ich glaubend sagen, er hat mich in den dunklen Stunden nicht verlassen sondern durch getragen. Und ich vertraue darauf, dass er es wieder tun wird. Glaube ist eben – wie das chinesische Sprichwort sagt – der Vogel, er singt, wenn die Nacht am dunkelsten ist. Dieser Vogel singt nicht immer laut, aber offene Herzen können ihn manchmal direkt, manchmal verspätet, hören.
Nicht nur mit Blick auf die Kar- und Ostertage wünsche ich Ihnen, dass Sie diesen Vogel hören können, dass Sie in dunklen Stunden erahnen und erfahren dürfen, dass Gott auch an Ihrer Seite steht und Sie trägt.
Ihr Erik Pühringer