Erstkommunion

Die Kinderkommunion

 

Die Kinderkommunion – gerne auch Erstkommunion genannt, obwohl auch Erwachsene zur Erstkommunion gehen können, wenn sie getauft werden – hat mittlerweile eine über einhundertjährige Geschichte. Guiseppe Sarto, so wird es erzählt, wollte als Kind immer Jesus in der Kommunion empfangen. Er wurde aber von seinem Pfarrer vertröstet, dass er warten müsse, bis er erwachsen sei. Auf seine Frage, warum das nicht früher ginge, erhielt er die Antwort, wenn er Papst wäre, könne er das ja ändern. Das Kind armer Bauern wurde Priester, dann Bischof und schließlich Patriarch von Venedig. 1903 wurde Guiseppe Sarto zum Papst gewählt und führte nun als Pius X die Kommunion für Kinder ein. Der Empfang des Sakramentes stand ganz im Vordergrund.

 

Nach der Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) veränderte sich nicht nur die Art und Weise der Gottesdienste. Die lateinische Sprache verschwand und wurde durch die Volkssprache ersetzt, aus dem tridentinischen Messritus mit der Zelebration am Hochaltar wurde der neuen Ritus am Volksaltar. Damit verbunden ist auch die Möglichkeit, Gottesdienste mit verschiedenen Themen und unterschiedlichen Zielgruppen zu feiern. Das hat in den folgenden Jahrzehnten unter anderem dazu geführt, dass eigene Familiengottesdienste entstanden, bei denen die Kinder in der Messgestaltung eingebunden wurden und immer mehr in den Mittelpunkt rückten, vor allem bei den Messen zur Kinderkommunion. In diesen Gottesdiensten hat das Fest für die Kinder einen immer größer werdenden Umfang angenommen und den Empfang des Sakramentes als Mittelpunkt und Inhalt des Festes verdrängt.

 

In den vergangenen 20 Jahren, in denen ich in Mechernich tätig bin, hat die Zahl der Familien mit Kommunionkindern in den Gottesdiensten am Wochenende während der Vorbereitungszeit und danach zunehmend stärker ebenso abgenommen wie die Bereitschaft, eine Gruppe von Kindern als Katechetin oder Katechet vorzubereiten. Gleichzeitig wurden die Erwartungen an das Fest für die Kinder immer größer.

 

Diese Beobachtung und die Auswirkungen der Coronapandemie haben in mir den Entschluss reifen lassen, das Fest für die Kinder und den Sakramentenempfang zu trennen, um beidem gerecht werden zu können. Das Fest für die Kinder, die Erinnerung an die Taufe, haben wir 2021 erstmalig als Festgottesdienst mit Kirchenchor und festlich gekleideten Kindern im Mittelpunkt gefeiert. Auch zukünftig werden wir dieses Fest am Wochenende nach Ostern als Fest für die Kinder feiern. Für dieses Fest gibt es eine Vorbereitung für die Kinder – im Kreis der eigenen Familie oder, sofern es die Bestimmungen rund um Corona erlauben, zusammen mit einer weiteren Familie. Der Sakramentenempfang, die Kommunion für die Kinder erfolgt frühestens drei Monate nach Ostern dann im Rahmen eines Gemeindegottesdienstes, den sich jede Familie selber aussuchen kann. Die Vorbereitung auf den Empfang des Sakraments geschieht in der Regel ebenso wie die Vorbereitung zum Fest der Tauferinnerung.

 

Grundsätzlich ist durch dieses Modell nun jede Familie selber in der Lage, die Vorbereitung und den Tag oder den Ort der Kinderkommunion so zu wählen, wie es für sie am besten passt. Das Fest der Tauferinnerung und die Kommunion müssen nicht im gleichen Jahr erfolgen. Vielmehr kann die Vorbereitung auf den Empfang der Kommunion jederzeit nach der Tauferin-nerung beginnen – am besten dann, wenn alle Beteiligten Lust und Freude haben, weiter zu machen. In meinen Augen macht eine Vorbereitung auf die Kommunion, den Empfang des Sakraments, macht jedoch nur dann Sinn, wenn die Familie auch regelmäßig die Gottesdienste besucht und so dem Kind die Möglichkeit bietet, kennenlernen und einüben zu können, was mit der Kommunion verbunden ist, die Mahlgemeinschaft mit Jesus.

 

Ich hoffe, mit dieser Veränderung zukünftig beiden Festinhalten gerecht werden zu können, dem Fest für die Kinder und dem ersten Empfang der Kommunion. Zugleich haben Sie nun die freie Wahl, wann welches Fest für Ihr Kind und für Sie als Familie passend ist. Die ersten Erfahrungen 2020 und 2021 zeigen, dass diese Veränderung nichts an Feierlichkeit einbüßt, Pandemie tauglich ist und viele neue Möglichkeiten bietet, Glauben und Kirche zu erfahren und zu erleben.

Ihr Erik Pühringer, Pfr.

Kommunion ist Gemeinschaft

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände,

um seine Arbeit heute zu tun.

Er hat keine Füße, nur unsere Füße,

um Menschen auf ihrem Weg zu führen.

Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen,

um Menschen von ihm zu erzählen.

Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe,

um Menschen an seine Seite zu bringen.

 

Gebet aus dem 14. Jahrhundert

 

 

 

Weißer Sonntag (c) Achim Pohl/Bistum Essen in Pfarrbriefservice.de