



© Friedbert Simon in Pfarrbriefservice.de
Herzlich willkommen im Pastoralen Raum Mechernich
Herzlich willkommen im Pastoralen Raum Mechernich
Was ist aus der Kirche meiner Jugendzeit geworden? Wenn ich mir heute die Kirche ansehe, dann gleicht sie einem Scherbenhaufen. Und ich habe maßgeblich daran Anteil. Den Niedergang der letzten dreißig Jahre habe ich weder stoppen noch bremsen können. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist radikal zurück gegangen. Vor gut 20 Jahren kamen in jeder einzelnen der drei Messen in St. Johannes B. Mechernich am Wochenende so viele Gläubige, wie heute in allen vier Messen des Wochenendes zusammen. Es gab 8 Priester und jede Gemeinde hatte einen Pfarrgemeinderat mit mindestens 10 Personen, die mit ihren Ideen das Gemeindeleben bereicherten und jedes zweite Jahr ein Pfarrfest organisierten. Bei Prozessionen, egal ob Fronleichnam, zum Barbarafest oder am Volkstrauertag waren weit mehr als hundert Gläubige neben den Vereinen und Chören unterwegs. Heute ist es nur noch eine Handvoll. Und von weit über fünfzig Messdienern und Messdienerinnen in 7 oder 8 Gruppen kann ich heute nur noch träumen. Ja, die Kirche meiner Jugendzeit ist nur noch ein Scherbenhaufen.
Gerne würde ich jetzt dem Missbrauchsskandal und der Corona- Krise die Schuld geben. Doch sie haben den Zusammenbruch nicht ausgelöst, sondern nur beschleunigt. Woran liegt es dann? Habe ich die Zeichen der Zeit etwa nicht richtig gesehen und gedeutet? Habe ich es versäumt, rechtzeitig zu handeln? Hätte ich diese Abwärtsentwicklung nicht aufhalten können, nein, müssen? Und mache ich heute das Richtige, um den letzten Rest der Kirche zu retten? Gerade in den Kartagen, wenn es ruhig geworden ist, stellen sich mir diese und ähnliche Fragen. Alles, worauf ich in meinem Leben gebaut habe, alles, was ich mir ausgemalt und geträumt habe, mein ganzes Leben liegt dann vor mir – zusammengebrochen, in Trümmern, ein Scherbenhaufen. Und ich frage mich, wo der Glauben geblieben ist, der früher in der Kirche so lebendig gewesen ist?
Eine Antwort – und erst recht eine Lösung habe ich nicht. Doch noch will ich nicht aufgeben. Als gäbe es eine Hoffnung jenseits jeder Hoffnung.
In diesen Momenten sind mir die Jünger Jesu gedanklich sehr nahe. All ihre Hoffnungen auf ein tolles, erfülltes Leben in Macht und Glanz an der Seite des Messias, des Gott gesandten Königs, sind am Kreuz geendet, gescheitert, gestorben. Aus. Vorbei!
Wie mag es ihnen gegangen sein? Vermutlich war es für sie noch viel schlimmer als für mich. Sie galten ja als seine Anhänger, als Staatsfeinde. Ihnen drohte Verfolgung, Verhaftung, Folter und Tod. Nichts wird es mit einem schönen sicheren Leben. Vielleicht können sie sich unbemerkt absetzen und in ihre Heimat fliehen, zurück zu ihren Familien. Sie bleiben aber Gescheiterte. Wahrlich, sie hatten alles andere als eine Perspektive. Und ich bin geneigt zu sagen, dass ich ihren Scherbenhaufen auch nicht hätte haben wollen.
Und in dieser tiefen Hoffnungslosigkeit erreicht sie am Ostermorgen die Botschaft vom leeren Grab und von dem am Kreuz Gestorbenen, der jetzt wieder lebt. Sie begegnen ihm, berühren ihn, erleben ihn. Mit dem vom Grab weggerollten Stein scheint ihr Trümmerhaufen beseitigt zu sein. Das Leben hat sich eine neue Bahn gebrochen. Sie gewinnen Hoffnung, Perspektive und eine neue Zukunft für ihr Leben. Ostern. Auferstehung!
Ob es wohl auch für mich und meine Kirche Ostern geben kann – Auferstehung – neues Leben?