Weltmissionssonntag

Leitartikel Oktober 2021 von Pfarrer Erik Pühringer

Weltmissionssonntag-2021-missio@home-Online-Kollekte (c) Bild: missio In: Pfarrbriefservice.de
Datum:
Do. 30. Sep. 2021
Von:
Agnes Peters

Weltmissionssonntag

Spendenkonto

missio Aachen
Konto 122 122
BLZ 370 601 93
Pax-Bank eG

IBAN: DE23 3706 0193 0000 1221 22
BIC: GENODED1PAX

 

Am 23./24. Oktober feiert die Kirche den Weltmissionssonntag. Unser Blick richtet sich dann in der Regel nach Afrika, Asien oder Lateinamerika, in die klassischen Missionsgebiete. Teilweise unterstützen wir finanziell Ordensgemeinschaften, die in den Missionsgebieten tätig sind und von denen wir Schwestern oder Patres persönlich kennen. So kann gute und fruchtbare Arbeit in den Missionsgebieten geleistet werden. Dies gelingt auch durch Spenden und die Unterstützung der Diözesen durch Missio. Gleichwohl möchte ich in diesem Jahr die Blickrichtung einmal verändern und auf die Situation bei uns schauen. Wir in Deutschland sind kein klassisches Missionsland, die Kirche ist einer der größten Arbeitgeber und flächendeckend mit einer Vielzahl von Pfarrgemeinden vor Ort vertreten. Das spricht eindeutig gegen Mission.

 

Und doch erlebe ich, dass immer weniger Christen und Christinnen die Gottesdienste am Wochenende besuchen. Ganz besonders bei der Vorbereitung auf den Empfang von Sakramenten erlebe ich eine Sprachlosigkeit, wenn es um die Inhalte des Sakraments geht. „Das war immer schon so!“, höre ich in den unterschiedlichsten Variationen. Doch der Inhalt des Sakraments ist damit weiter unklar. Von der Erklärung der Eltern in der Tauffeier, ihr Kind im Glauben zu erziehen, die einige Eltern auch schon bei der kirchlichen Eheschließung abgegeben haben, bleibt leider oft nicht mehr viel übrig. Es mangelt an Zeit, an Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, an eigener positiver Glaubenspraxis oder Erfahrungen, …Diese Aussagen sehe ich absolut wertfrei und ohne jeglichen Vorwurf. Im Gegenteil, sie zeigen mir, dass die Organisation Kirche sich in einem gravierenden Wandel befindet und die Anzeichen der Veränderung viel zu lange nicht wahrgenommen oder richtig gedeutet hat. Das Fundament des Glaubens und das religiöse Wissen ist nicht mehr so vorhanden, wie vor der Jahrtausendwende. Und da war es schon deutlich weniger als vor weiteren 20 Jahren. Der schleichende Prozess hat zunehmend an Dynamik gewonnen. Das Beharren auf Positionen, Traditionen und auf konservative Ansichten ist wie der Ausbau einer Burgmauer zum besseren Schutz. Das Leben findet allerdings nicht in der Burg sondern auf dem Marktplatz davor statt. Glauben und Leben bilden längst nicht mehr eine Einheit, sondern stehen sich in unserer Lebenswelt teilweise konträr gegenüber. Lediglich an den „Wendepunkten“ des Lebens sind für manche Kirche und kirchliche Rituale noch wichtig. Der Glaube und das religiöse Wissen ist nur noch bruchstückhaft vorhanden.

 

Diese Analyse von mir ist fehlerhaft, weil sie zu grob, zu holzschnittartig, zu allgemein gemacht ist. Das ist mir klar. Und doch halte ich sie in ihrer groben Aussage für wichtig. Sie zeigt, dass wir sehr wohl auch bei uns vor einer Missionsaufgabe stehen, wenn Glaube und Kirche auch in Zukunft wichtig in unserem Leben sein sollen. Oder ganz überspitzt gesagt, damit zukünftig Kirche nicht nur das Gebäude ist, das viele Touristen betreten und bestaunen und nur wenige Gläubige von innen sehen, sondern als lebendige Gemeinschaft der Glaubenden. Ja, auch wir sind Missionsland geworden, in dem der Glaube und die Glaubensgemeinschaft, das ist eigentlich die Bedeutung von Kirche, neu belebt und gelebt werden will. Es gilt in meinen Augen, das Fundament des Glaubens in den Blick zu nehmen, Lücken zu füllen und zu festigen. Damit stellt sich für die Zukunft die Frage:

 

Wie viel Glauben braucht mein Leben und wie viel Leben und Lebendigkeit verkraftet mein Glaube?

 

Ich vermute und erhoffe, dass es auf diese Frage keine allgemeingültige Antwort gibt sondern eine große Vielfalt unterschiedlichster und damit auch konträrer Meinungen und Ansichten. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir ins Gespräch kommen, und bin auf Ihre Antworten gespannt.

Ihr Erik Pühringer, Pfr.