Herzlich willkommen im Pastoralen Raum Mechernich
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Erntedank (c) Sarah Frank, Pfarrbriefservice.de

Erntedank?!

Erntedank
Datum:
Mi. 30. Sept. 2026
Von:
Agnes Peters

Leitartikel Oktober 2026

Der Oktober beginnt mit dem Erntedankfest. Auch wenn die meisten von uns nicht mehr landwirtschaftlich arbeiten und oft auch keine Nutzgärten mehr haben, feiern wir gerne Erntedank. Wir danken für die Ergebnisse und Resultate unserer Bemühungen und ernten gleichsam den Lohn unserer Erwerbsarbeit. Erntedank! 

 


Doch können wir in diesem Jahr wie immer freudig Erntedank feiern? - Ich habe da so meine Zweifel und Anfragen.

 


Wir hatten einen extrem warmen Sommer mit sehr wenig Regen. Die Flüsse und Böden sind fast ganz ausgetrocknet und die bisher aus südlichen Ländern gewohnten Waldbrände haben auch uns erreicht. Für mich sind das die Konsequenzen eines Klimawandels, der in den kommenden Jahren weiter fortschreiten wird. Wir werden uns vermutlich an Brände und Trockenheit gewöhnen müssen. Ist das dann der Lohn für das immer weitere Hinausschieben der Einhaltung von Klimazielen durch die EU und durch Deutschland, für unser Handeln in Vergangenheit und Gegenwart? - Erntedank? 

 


Wir erleben, dass die Zahl der Gläubigen in den Gottesdiensten immer weniger wird. Die Überalterung der Gottesdienstbesucher und auch der Gesellschaft ist immer deutlicher bei uns zu sehen. Ohne Zuzüge aus anderen Ländern würde die Bevölkerung in Deutschland deutlich zurückgehen. Längst nicht mehr jeder / jede junge Erwachsene ist in der Kirche und zahlt Kirchensteuer. Die Einnahmen aus dieser Steuer brechen ein, die finanzielle Situation der Kirchengemeinden spitzt sich zu. Das wird dazu führen, dass wir viele Gebäude, Kapellen und Kirchen, nicht mehr unterhalten können, auch in Mechernich. Sie werden verkauft, umgenutzt oder verfallen. Geld für nötige Renovierungen ist nicht mehr da. Wo können und sollen in den nächsten Jahren noch Gottesdienste angeboten werden? Wer trennt sich von der Kirche im Ort? - Erntedank? 

 


Die Zahl der pastoral Tätigen in der Kirche wird in den nächsten Jahren durch Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre radikal (um über 50 %) zurückgehen. Die Hauptamtlichen haben sich Jahrzehnte lang um fast alles selber gekümmert. Daher haben die allermeisten Gläubigen verlernt, über den eigenen Gauben zu reden und so Glaubenszeugnisse zu geben. Die Gemeinden wurden mit allem versorgt und letztlich so die Gläubigen entmündigt. Wie sieht die Zukunft von Kirche aus? Wer vermittelt den Glauben? - Erntedank? 

 


Für mich sind das drei von vielen weiteren bedrückenden und bedrängenden Themenfelder und Fragen. Sie fordern dringend eine Lösung. Die Zeit, in der wir noch selber gestalten können, wird immer knapper. Reife Pläne werden nicht erst in drei oder vier Jahren gebraucht, sondern so schnell wie möglich. Ich hatte die Brisanz und Dringlichkeit unterschätzt. Und nicht nur ich. Jetzt gilt es verantwortlich und schnell zu handeln. Doch wohin steuert das Leben unserer Glaubensgemeinschaft? Was brauche wir in 10 oder 15 Jahren noch? Wie wird Kirche dann aussehen – hierarchisch oder gemeinschaftlich wie in den ersten Anfängen? Je nach Antwort gibt es unterschiedliche Anforderungen, was es noch schwerer macht, eine richtige Einschätzung als Grundlage für die nötigen Entscheidungen zu finden. 

 


Ich habe keine Antwort. Aber ich kann auch nicht einfach abwarten, bis es sie geben wird. Ich weiß, dass ein „Weiter so!“ oder ein „Es wird schon gut gehen!“ nicht mehr möglich sind. Sie würden nur die Probleme beschleunigen und verstärken. Ich vertraue aber darauf, dass wir gemeinsam Lösungen entwickeln und finden können. Ich hoffe, dass viele kleine Schritte, die möglichst viele Menschen an möglichst vielen Orten gehen, viel verändern können, in unserem pastoralen Raum, in unserem Land, in unserer Welt. Ich lade Sie ein, den ersten Schritt zu wagen: Zu erkennen, dass wir handeln müssen – gemeinsam zum Wohl aller. Die dann entstehenden Veränderungen könnten – vielleicht schon bald, Früchte hervorbringen und auch in Zukunft die Lebendigkeit der Gemeinschaft der Glaubenden sichern und bereichern, daran glaube ich, und dann feiern wir Erntedank!

 


 Ihr Erik Pühringer