Herzlich willkommen im Pastoralen Raum Mechernich
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pfingsten_01_kleinostheim_by_friedbert_simon_pfarrbriefservice (c) Friedbert Simon in Pfarrbriefservice.de

Intermezzo

pfingsten_01_kleinostheim_by_friedbert_simon_pfarrbriefservice
Datum:
Do. 23. Apr. 2026
Von:
Agnes Peters

Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten ist für die Jünger Jesu ein Intermezzo. Jesus ist nicht mehr in ihrer Mitte. Er begegnet ihnen hin und wieder, mehr nicht. So können die Jünger sich von seiner neuen Lebendigkeit überzeugen und Auferstehung von den Toten langsam begreifen. Sie treffen sich aus Angst hinter verschlossenen Türen und beginnen zu erzählen, was sie erlebt und erfahren haben mit Jesus. Das, was wir heute Glauben nennen, beginnt sich bei ihnen zu festigen. Sie begreifen immer mehr, was Jesus ihnen gezeigt und gesagt, beigebracht und aufgetragen hat. Doch noch trauen sie sich nicht zu anderen davon zu erzählen. Sie bleiben unter sich. Mit Pfingsten endet dann das Intermezzo. Die Jünger fangen an, den Auftrag Jesu zu verwirklichen. Sie erzählen von ihrem Glauben und sie verlassen Jerusalem und gehen in die Welt hinaus. Sie bezeugen Tod und Auferstehung Jesu, sie bezeichnen ihn als Messias, als Gottes Sohn, als Retter und Erlöser, zunächst nur den Juden, dann auch den Nicht-Juden, den Heiden. Sie gründen Gemeinden und letztlich die christliche Kirche. 

 


Vergleichbar mit der Zeit der Jünger mit Jesus vor der Auferstehung ist die „Volkskirche“. Sie ist geprägt durch eine ausreichende Anzahl von Hauptamtlichen, Priester, Diakonen, Pastoral- und Gemeindereferenten und Referentinnen. Immer ist ein Hauptamtlicher da, der für den Glauben eintritt, von ihm erzählt und ihn weitergibt. In den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl deutlich zurückgegangen und wird im nächsten Jahrzehnt radikal einbrechen. Die Zeichen der Zeit zeigen, dass es die Volkskirche nicht mehr gibt. Was jetzt? Was tun? 

 


Der Blick auf die Jünger Jesu könnte den Weg in die Zukunft weisen. Er legt nahe, dass jetzt die Zeit des Intermezzo sein könnte. Eine Zeit, in der es noch Hauptamtliche gibt, die hin und wieder bestärken und kräftigen können, die aber nicht mehr dauerhaft zur Verfügung stehen. Eine Zeit, in der wir anfangen können, wie die Jünger über Jesu Wirken nachzudenken und uns die Geschichten unseres Glaubens und seiner Bedeutung für unser Leben gegenseitig erzählen können. Also eine Zeit des Hörens auf Gottes Wort in der Schrift, den Gottesdiensten und vermittelt durch andere im gemeinsamen Austausch. Und eine Zeit, in der wir lernen, über den Glauben und über seine Bedeutung für unser Leben zu sprechen und es zu können. Eine Zeit, in der wir noch unter uns, unter Gleichgesinnten bleiben, voneinander lernen und uns im Miteinander gegenseitig stärken. Eine Zeit, die jedoch wie bei den Jüngern überschaubar sein sollte, ein Intermezzo sozusagen. 

 


Irgendwann – hoffentlich bald schon – merken wir, dass sich Pfingsten erneut ereignet und wir alle stark genug geworden sind, unseren Glauben weitererzählen und leben zu können als Botinnen und Boten des Glaubens. Dann sind wir eine offene und einladende Gemeinschaft, die sich nicht am eigenen Kirchturm orientiert sondern unterwegs und lebendig ist, die immer wieder zum Gottesdienst zusammenkommt und dann das Erfahrene und Erlebte wieder in alle Richtungen hinausträgt. So entsteht eine pfingstliche Kirche, eine Gemeinschaft von Glaubenden, die vielfältig und lebendig ist, aus den Schriften Vergewisserung und Glaubenskraft schöpft, sich gegenseitig im Glauben und im Leben unterstützt und bestärkt und gemeinsam Gottesdienste feiert.

Dann ist aus dem Intermezzo eine neue Form einer Kirche der Zukunft geworden.

 


Konkret heißt das, regelmäßige Gottesdienstbesuche, in denen wir uns und in der Gemeinschaft aufgehoben fühlen, in denen Gottes Wort uns zugesagt wird. Das heißt, über das Gehörte nachdenken, es mit meinem Leben in Verbindung bringen und mir eine eigene Meinung bilden. Ich brauche für mich eine Antwort auf die Frage, was das Gehörte mit meinem Leben zu tun hat. Diese kann ich mit andern austauschen und vertiefen, wenn ich mir Gleichgesinnte in meinem Umfeld suche und mich mit ihnen zum gemeinsamen Austausch treffe über den Glauben – nicht nur nach den Gottesdiensten. Ach ja, wir Hauptamtlichen helfen gerne am Anfang mit, damit es zu einer Bereicherung für alle werden kann. Und vielleicht brauchen wir Hauptamtlichen ja auch den Anstoß und Schubs in die richtige Richtung – von Ihnen, den Apostelinnen und Aposteln unserer Tage.

 


 Ihr Erik Pühringer