



© Bild: Friedbert Simon In: Pfarrbriefservice.de
Herzlich willkommen im Pastoralen Raum Mechernich
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Zurück zu den Wurzeln
„In den letzten Leitartikeln ging es immer um Aufbruch und die Zukunft der Kirche – und jetzt zurück zu den Wurzeln? Das passt doch nicht! Das schließt sich gegenseitig aus!“, so könnten Sie jetzt denken und sagen. Ja, das klingt wirklich verrückt – und ist es auch. In der Geschichte gab es aber schon vieles, was im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten ist – auch in der Kirche.
In den ersten beiden Jahrhunderten hat sich die Versammlung der Gläubigen den örtlichen politischen Gegebenheiten angepasst und ganz unterschiedliche Formen des Gemeindelebens entwickelt. In Kleinasien entwickelte Paulus eine Gemeinde, die sich nach den unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten der Menschen richtete. Die Gemeinde wurde gemeinschaftlich von allen geleitet. In den griechischen Stadtstaaten, die demokratisch geprägt waren, entwickelte Lukas einen Ältestenrat in den Gemeinden als Leitung. In Rom, das vom Kaiser und den Staatsbeamten regiert wurde, passte sich die junge Kirche an und bildete eine hierarchische Ordnung mit Bischofs- und Priesteramt. Diese Gemeindeform hat sich bis in unsere heutige Zeit durchgesetzt und prägt die Kirche. Das war so lange kein Problem, wie auch die weltliche Ordnung durch monarchische Herrscher und Adlige geregelt wurde. Mit dem Aufkommen der Demokratie in Europa im späten 19. und im 20. Jahrhundert veränderte sich jedoch die Weltordnung zusehends während die kirchliche Ordnung unverändert blieb und heute für manche undemokratisch und antiquiert geworden ist.
Mit „Zurück zu den Wurzeln“ meine ich, dass die Kirche der Zukunft, die Gemeinschaft der Glaubenden, sich wieder der aktuellen gesellschaftlichen Ordnung annähert. Ja, ich schreibe bewusst annähert, denn mehr wäre nur mit einer Veränderung des Kirchenrechts möglich. Eine Annäherung an die lukanischen oder paulinischen Gemeinden der ersten Jahrhunderte ist jedoch grundsätzlich möglich. In den Gemeinden der ersten Jahrhunderte gab es den „Hausvater“ (Episkopos) als Gastgebenden. Das waren Frauen oder Männer. Es gab Diakone für den Tischdienst, das gemeinsame Essen. Dazu verkündeten Propheten, die teilweise umherwanderten, den Glauben, Lehrende gaben die alltäglichen Unterweisungen und Erklärungen, Gesandte wurden mit konkreten und zeitlich umschriebenen Aufgaben beauftragt und die Zusammenkünfte leiteten die Presbyter, die aber nicht geweihte Priester waren. Es gab viele unterschiedliche Ämter, die im Miteinander mit den Glaubenden die Gemeinde bildeten. Ein Ältestenrat, eine Versammlung innerhalb der Gemeinde, die Akzente für das Gemeindeleben setzte, bildete sich. Das Zentrum war aber immer die Gemeinschaft aller Glaubenden, die zu all den verschiedenen Aufgaben und Ämtern Gemeindemitglieder beauftragte. Mit der vom zweiten vatikanischen Konzil Mitte des letzten Jahrhunderts unter anderem formulierten Theologie des Volkes Gottes ist ein Weg hin zu den Leitungsformen der Anfänge der Kirche eröffnet worden, den wir jetzt gehen könnten. Dazu wäre es nötig, dass der hierarchische Leiter seine Entscheidungsmacht teilt und abgibt, damit dann eine synodale Leitung entstehen kann. In einer solchen Kirche wäre dann viel mehr möglich, als wenn die weniger werdenden Hauptamtlichen alles machen müssten und für das Leben der Gemeinschaft der Glaubenden alleine verantwortlich wären. In ihr lautet dann auch nicht mehr die Frage, „Auf was müssen wir zukünftig verzichten und was können wir uns noch leisten?“, sondern „Ich hätte da eine Idee, was wir noch machen könnten. Wer will mitmachen und etwas Neues ausprobieren?“. Es wäre ein Weg „Zurück zu den Wurzeln“ und gleichzeitig in eine neue Zukunft. Ich hätte Spaß und Freude daran, erste Schritte auf diesem Weg zu wagen und zu gehen im Wissen, dass noch längst nicht klar ist, wie das Ziel genau aussieht und ob eine eventuelle Umkehr problemlos möglich ist. Es ist und bleibt ein Wagnis, aber es könnte sich lohnen und Kirche zu einer wirklichen Gemeinschaft aller Glaubenden werden lassen.
Also, zurück zu den Wurzeln und in eine neue Zukunft der Kirche – gehen Sie mit?
Ihr Erik Pühringer