Peter Leo und sein Werk existieren noch

von Anneliese Klinkhammer

Pater Leo 2015 (c) Klinkhammer
Datum:
Sa. 20. Feb. 2016
Von:
Agnes Peters
Pater Leo 2015 (c) Klinkhammer

Pater Leo und sein Werk existieren noch (von Anneliese Klinkhammer)

Die Zeitungen sind voll von Projekten, die von Eifeler Pfarrgemeinden unterstützt werden -- solche für Bedürftige und Kranke hier im Umfeld, aber auch für viele weit weg von uns, die meist auf persönliche Kontakte zurückgehen. Gerade in den letzten Jahren sind die ehrenamtliche Hilfe, der persönliche Einsatz und materielle und finanzielle Spenden für Flüchtlinge hier in der Eifel immer wichtiger geworden -- was aber Gott sei Dank auch geschieht. Im letzten Jahr ging man in Vussem schon mit etwas mulmigen Gefühlen an die Vorbereitung des alle 2 Jahre stattfindenden Basars. Werden die Leute ihn unterstützen, zumal der persönliche Kontakt und der alljährliche `Rechenschaftsbericht´ durch Pater Leo, der sonst jedes Jahr auf seiner Europareise Vussem besuchte, altersbedingt fehlten? Es zeigte sich, dass das, was vor über 30 Jahren begann, im Bewusstsein der Vussemer Pfarrgemeinde und v.a. den veranstaltenden „Feybach-Finken“ tief verankert ist. Und das ist gut, kommt es doch nicht auf die Person Pater Leos an, sondern auf die Unterstützung der Hilfsprojekte. Jung, `mittelalt´ und alt, alle engagieren sich für den Basar: Vorschulkinder, die Bastelarbeiten anbieten, die Flötengruppe der Kleinen, die Tontöpfe bemalt und Lampen hergestellt hat und beim Basar eifrig Plätzchen anbietet, die erwachsenen Flötenvereinsmitglieder, die Kaffee und Kuchen verkaufen, für sauberes Geschirr sorgen und unterstützt werden von anderen Jugendlichen, die Suppe und Würstchen anbieten oder dem Reibekuchenteam hilfreich zur Seite stehen. Im Vorfeld und beim Verkauf sieht man ältere Semester, die Kränze gewickelt und geschmückt haben, sowie Frauen, die Socken gestrickt, Porzellanetageren hergestellt und Karten verziert haben, Männer, die monatelang Holzarbeiten in ihrer Scheune fabrizieren, und und…. Junggesellenverein, Feuerwehr sind hilfreich beim Auf- und Abbau sowie bei der Bewirtung mit Getränken. Es zeigt sich, das ganze Dorf ist auf den Beinen und wird unterstützt von lieben Bekannten aus Belgien, die von weither angereist sind, hier übernachten und viel Gewerktes mitbringen und verkaufen. Der Basar und seine Zielsetzung sind in der Vussemer Pfarrgemeinde lebendig und erbrachte die stolze Summe von 7000 Euro. Hinzu kommen Patenschaften, Spenden, Aktionen des Junggesellenvereins und einzelner Teams.

Am 2. Weihnachtstag machte sich eine siebenköpfige Gruppe auf den Weg nach Südindien. Nach einigen Tagen Besichtigungen (Tempel, Paläste, Wildreservat, Teeplantage) fuhren wir zum Kinderheim, wo wir Sylvester ankamen. Wir freuten uns, Pater Leos zu sehen und diejenigen von uns, die auch vor 2 Jahren mit in Nehrunagar waren, sagten ehrlichen Herzens von den Kindern: Nein, was sind sie groß geworden! Vom Heim ist zu berichten, dass sich die Zahl der Kinder reduziert hat, da die indische Regierung verfügte,

dass alle Kinder in Heimen ihres Wohngebietes untergebracht werden müssen. Für viele Kinder bedeutete das: Abschied nehmen und umziehen in ein staatliches Kinderheim. Obwohl das Kindern und Betreuen sehr schwer fiel, müssen die Verantwortlichen sich dem fügen. Die Ehemaligen, d.h. also die vormaligen Heimbewohner, treffen sich immer noch, kommen zu den `Annual Days´ und halten den Kontakt zu ihrer Heimleitung, die sie 6 Jahre lang betreut hat. Bei einigen Ehemaligen werden wir immer gerne als Gäste begrüßt, genauso wie bei den ehemaligen Heimleiterinnen, die nicht vergessen haben, wie wir sie mit Hilfe der Vussemer unterstützt haben. Die neue Heimleiterin ist seit vorigem Jahr Sr. Benny. Die freien Heimplätze wird Pater Leo vermutlich zur Unterbringung Auszubildenden der Handwerkerschule nutzen. Dort gibt es eine Gruppe Jugendlicher, Nachfahren ehemaliger afrikanischer Sklaven, die fernab jeglicher Zivilisation im Dschungel leben und schon jetzt erfolgreich im Trainingsinstitut ausgebildet werden. Das Aloysian Trainingsinstitut hat vom Autokonzern Hyundai zwei Autos, einen Fahrlehrer und einen Meister zur Verfügung gestellt bekommen. Jugendlichen werden nun zu Autoschlossern ausgebildet und erhalten danach vom Autokonzern Arbeitsplätze. Außerdem gibt es 9 weitere Ausbildungsberufe, deren Werkstätten uns alle stolz präsentiert werden. Probleme finanzieller Art ergeben sich v.a. dadurch, dass die staatlichen Vorgaben und Prüfungsinhalte immer auf dem neuesten Stand sein müssen, aber kein Geld für Ausbildungsmaterialien, Maschinen oder die Weiterbildung der Meister zur Verfügung gestellt wird, wie uns das Lehrerkollegium berichtete. Beiden Institutionen, Kinderheim und Handwerkerschule, konnten wir großzügige Schecks überreichen. Außerdem boten wir den Kindern während unseres Aufenthaltes einige Highlights: Kommunion-essen, Besuch eines naturkundlichen Museums, Eisessen, Übergabe eines Satzes Fußballtrikots… Diese Dinge konnten wir durch Geldzuwen-dungen von Bekannten und durch Beiträge unserer Reisegruppe, die natürlich auch alle Reisekosten selbst bezahlte, zukommen lassen. Einer der Jesuiten-patres engagiert sich für eine der auf Müllkippen am Rande Mangalores hausenden Bevölkerungsgruppe. In 23 Hütten leben diese Leute mit sehr vielen Kindern: verdreckt, verlaust, z.T. krank. Es gibt weder elektrischen Strom noch sauberes Wasser, geschlafen wird auf dem festgestampften Lehmboden. Unser mitgebrachtes Essen wurden gerne angenommen -- doch was war das für so viele und auf Dauer? Unser Besuch dort zeigte uns, wie gut es die Kinder und Jugendlichen im Heim und in der Handwerkerschule haben. Wir sehen, die Arbeit von Pater Leo und der Jesuiten nimmt kein Ende. Aber der „alte Mann“ gibt nicht auf und findet neue Betätigungsfelder.

Danke an so viele, die ihn dabei unterstützen!

Pater Leo 2015 (c) Klinkhammer
Pater Leo 2015 (c) Klinkhamer
Pater Leo 2015 (c) Klinkhammer
Pater Leo 2015 (c) Klinkhammer
Pater Leo 2015 (c) Klinkhammer
Pater Leo 2015 (c) Klinkhammer