Trauer um Jino Edechelathu

Jino Edechelathu beim seinerzeit beliebten „Talk im Bahnhof“ 2011 in der Mechernicher Gleispassage. (c) Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress
Di 8. Sep 2020
Agnes Peters

Er war EDV-Experte, Kommunalpolitiker, Schachspieler, "Problemlöser" und vielen Menschen ein zuverlässiger Freund

Gemeinsam an einem Strang für schnellere Telefon- und EDV-Leitungen in Lückerather kämpften seinerzeit die Kommunalpolitiker Jino Edechelathu und Theo Schoddel. (c) Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Trauer um Jino Edechelathu

EDV-Experte, Kommunalpolitiker, Schachspieler, „Problemlöser“ und vielen Menschen ein zuverlässiger Freund

Mechernich-Bergbuir – Jino Edechelathu (45) ist tot. Der EDV-Experte, Unternehmer und Kommunalpolitiker starb am Montagmorgen plötzlich und unerwartet in seiner Bergbuirer Wohnung. Der äußerst beliebte und weit über die Mechernicher Grenzen hinaus bekannte Computerspezialist hinterlässt seine Eltern Molly und Johny, Bruder Jiyon, seine Schwägerin Kathrin, die Neffen Jonas und Jakob sowie zahlreiche Freunde.

Jino Edechelathu wurde am 30. September 1974 in Manoor im indischen Bundesstaat Kerala als Sohn der christlichen Eheleute Molly und Johny Edechelathu geboren. Über deren Auswanderung nach Mechernich hinaus wuchs Jino zunächst weiter in Manoor bei seinen Großeltern auf. Im Alter von elf Jahren kam er nach Deutschland. Die Familie wohnte zunächst in Mechernich, dann in Vussem und schließlich im eigenen Haus in Bergbuir.

Jino Edechelathu machte am Bad Münstereifeler St.-Angela-Gymnasium Abitur. Bereits während seines Informatikstudiums machte sich der als genial geltende Computerfachmann selbständig und baute in Köln eine Firma für die EDV-Betreuung großer Autokonzerne auf, in der sein ebenfalls zum Software-Experten im Wortsinn „berufener“ Bruder Jiyon mitarbeitete: „Das war und ist mehr als Beruf bei uns, das ist Passion, Berufung…“

 


Sonntag hätte er zur Wahl gestanden

 


Jinos Unternehmen betreute sämtliche Niederlassungen und Vertretungen als Auskunftei („Hot Line“) und „Problemlöser“ in EDV-Fragen. „Jino selbst war auch als Programmierer sehr gefragt“, sagte Jiyon Edechelathu der Agentur ProfiPress, für die sein Bruder Jino nebenbei ebenfalls die EDV-Systeme betreute.

Jino Edechelathu hätte am Sonntag zum wiederholten Mal bei den Kommunalwahlen in seinem Heimatwahlbezirk Bleibuir/Bergbuir/Lückerath und Umgebung als Stadtratskandidat der Sozialdemokraten zur Wahl gestanden.

Er war Sachkundiger Bürger in Ausschüssen des Stadtrates Mechernich. Zur SPD ging er vermutlich wegen seiner solidarischen Grundhaltung und Sympathien für Arbeit nehmende Schichten. „Die Familie ist sonst eher unpolitisch“, so Jiyon Edechelathu.

Zu seinen Hobbys gehörten das wettkampfmäßige Schachspiel, bis zu einem Schlaganfall vor fünf Jahren das Bogenschießen bei der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Kommern und das amerikanische Fernsehen.

Der perfekt englischsprechende EDV-Spezialist sah am liebsten Late-Night-Shows und Politsatiren. Sciencefiction liebte er als Bücher, Filme und Serien. Sein Allgemeinwissen war umfassend, sein Spezialwissen in vielen Dingen „erschreckend“, so sein Bruder Jiyon.

Jino Edechelathu war ein äußerst beliebter und angenehmer Mensch mit großem Freundeskreis. „Einige Freunde sind wegen ihm ebenfalls in die Politik gegangen“, so Jiyon. Jino diskutierte gerne und hartnäckig, stritt sich aber so gut wie nie.

 


Nach Schlaganfall im Koma

 


Er galt als hilfsbereit bis zur Selbstvernachlässigung. Freunde vermuteten hinter einem Schlaganfall vor fünf Jahren seine kräfte- und reservezehrende Arbeitsweise. Jino lag lange im Koma, während dem seine Mutter Molly, sein Vater Johny und Jiyon ihm im Wechsel nicht von der Seite wichen und nach seinem Wiedererwachen fortan mit ihm um sein Leben und für seine Genesung kämpften.

„Er war auf einem sehr guten und hoffnungsvollen Weg“, so Molly Edechelathu. Die Familie beschäftigte sich zurzeit eher mit Fragen der Zukunft aus dem Blickwinkel der Sorge um Jino, wenn die Eltern einmal älter würden. Nach einem Anruf, dass Jino nicht in der Kölner Firma erschienen war, fand Johny Edechelathu seinen Sohn am Montagvormittag wie friedlich eingeschlafen vor dem Computerarbeitsplatz in seiner Wohnung.

Hin und wieder betätigte sich der EDV-Experte der Agentur ProfiPress auch als deren Korrespondent. 2015 hielt er sich in Indien auf und recherchierte die Geschichte der kleinen indischen Gemeinde von Mechernich. Seine Reportage erschien unter dem Titel „Indische Schwestern starteten in der Eifel“ unter anderem in der KirchenZeitung für das Bistum Aachen.

Sie beginnt mit dem Untertitel: „Die »Little Flowers« aus Mechernich feierten ihr 50-jähriges Ordensjubiläum in der indischen Heimat – Indische Schwestern lösten einen Zustrom indischer Familien in die Eifel aus“. Als junge Ordensschwestern kamen in den 1960-er Jahren sieben Schwestern des „Little Flower Convents“ aus Indien an das seinerzeit von Franziskanerinnen von Salzkotten geführte Mechernicher Krankenhaus. Darunter Schwester Stella, Jinos Großtante, die 1967 mit Schwester Jacinta als indische Pionierinnen in die Stadt Mechernich und an ihr Kreiskrankenhaus kamen.

 


Indische Gemeinde von Mechernich

 


Dass die sieben jungen Ordensfrauen seinerzeit ihren Dienst in Mechernich antreten durften, erlaubten die Franziskanerinnen von Salzkotten, die von 1883 bis 1973 im Kreiskrankenhaus Mechernich wirkten, weil die „Little Flowers“ aus einem Konvent mit lateinischem Ritus stammen. In Kerala gibt es nämlich „Thomaschristen“ in allen gängigen christlichen Konfessionen, also Katholiken, Unierte, Orthodoxe und Protestanten.

Zwölf Jahre blieben die „Little Flowers“ am Bleiberg, dann übernahmen sie die Pflege im Gemeindekrankenhaus in Kraiburg, später am Klinikum im Münchner Stadtteil Neuperlbach. Die Existenz der „Little Flowers“ in Mechernich hat einen für die Eifel beispiellosen „Zustrom“ indischer Familien ausgelöst. „Bis Ende der siebziger Jahre lebten am Bleiberg 40 Familien aus Indien“, berichtete Jino Edechelathu 2015 für die Agentur ProfiPress. Nach dem Weggang der indischen Ordensfrauen verschlug es einen Großteil der indischen Familien an andere Orte. Heute bilden noch 15 Familien die indische Gemeinschaft von Mechernich.

Jino schrieb: „Sie alle sind Christen und kommen aus dem indischen Staat Kerala. In keinem anderen indischen Staat gibt es mehr Katholiken, nirgendwo in Indien ist das Bildungsniveau größer als in dem Bundesstaat an der Malabarküste im Südwesten Indiens. Dort, in der Erzeparchie Changanacherry, begingen die »Little Flowers« 2015 ihr 50-jähriges Ordensjubiläum mit einer großen Feier in der Kirche des Konvents, an der tausend Menschen teilnahmen.“

pp/Agentur ProfiPress

 

Johny Edechelathu mit Schwestern des deutschen Konvents der „Little Flowers“ beim 50jährigen Ordensjubiläum in Kerala. Mit dabei war auch Jino Edechelathu als Reporter, der die Geschichte der indischen Gemeinschaft von Mechernich an ihrem Ursprungsort erforschte. Seine Reportage erschien 2015 unter anderem in den Medien der Stadt Mechernich und in der KirchenZeitung für das Bistum Aachen. (c) Foto: Jino Edechelathu/pp/Agentur ProfiPress
Jino Edechelathu war ein genialer EDV-Experte und „Problemlöser“, darüber hinaus ein äußerst beliebter und angenehmer Mensch mit großem Freundeskreis. (c) Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

 

 

Gemeinsame Freude über schnelle DSL-Verbindungen im „Wilden Westen“ der Stadt Mechernich mit Jino Edechelathu und Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick in der Mitte und (von links) Theo Schoddel (damals Ortsvorsteher Lückerath) und Heinz-Gerd Züll (DSL-Bürgerinitiative Bergbuir) sowie (v.r.) Peter Dierichsweiler, Teamleiter Liegenschaften und Wirtschaftsförderung der Stadt Mechernich, Gregor Theißen und Gerd Wolter (beide Telekom). (c) Archivfoto: Edgar Schnicke/pp/Agentur ProfiPress