Herzlich willkommen im Pastoralen Raum Mechernich
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Warten_Peter Weidemann_Pfarrbriefservice.de (c) Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de

Warten

Warten_Peter Weidemann_Pfarrbriefservice.de
Datum:
Do. 22. Okt. 2026
Von:
Agnes Peters

Leitartikel November 2026

Warten

 


Jede und jeder kennt eine oder mehrere Wartesituationen. Wir warten auf den Bus oder den Zug, auf den Freund oder die Freundin, an der Kasse, im Wartezimmer. Wir warten auf die Schulferien, den Urlaub, das Wochenende, den Geburtstag, auf Ostern oder Weihnachten. Und vielen Eltern klingt die Frage der Kinder im Ohr „Und wann sind wir (endlich) da?“ Warten gehört zum Leben. 

 


Meistens ist Warten langweilig, eine passive Tätigkeit, ein Abwarten, bis die Zeit vergangen ist und das Warten ein Ende hat. Im Wartezimmer vor der Behandlung blättern wir schon mal in ausliegenden Zeitschriften. Kindern verkürzen wir die Wartezeit mit Geschichten oder Spielen. Manchmal nehmen wir auch eine Zeitung oder ein Buch für die Wartezeit mit. Egal wie wir die Wartezeit verbringen, eine Verkürzung ist nicht möglich. Warten bleibt mehr oder weniger passiv.

 


Doch manchmal ist alles ganz anders. Da wird Warten zu einer aktiven Tätigkeit. Wir fangen an zu planen, was wir am Wochenende oder im Urlaub, in den Ferien machen wollen. Alternativen werden gesucht, es wird überlegt und abgewogen, was das Beste sein könnte. Manchmal bleibt es bei verschiedenen Möglichkeiten, je nach Lust oder Wetterlage, manchmal erfolgt eine Festlegung und entsprechende Organisation, oft mit Buchung. 

 


Und wenn es um Geburtstage oder andere Feste geht, die wir feiern, dann gilt es nicht nur zu planen und zu organisieren sondern auch die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen und alles für den Tag fertig zu machen, damit das Fest gelingen kann. Manchmal ist das auch mit Aufräumen, Putzen und Saubermachen, Einkaufen, Zubereiten, Schmücken, Aufbauen und Herrichten verbunden. Ein richtiger Aktionismus wird an den Tag gelegt und je näher das Fest kommt, um so hektischer wird es. Warten ist dann alles andere als eine passive Tätigkeit. 

 


Und dann gibt es noch das Warten auf Ostern und Weihnachten mit einer jeweils eigenen Vorbereitungszeit, Advent und Fastenzeit. In ihnen bin ich eingeladen, nicht nur auf das kommende Fest zu schauen und alles entsprechend zu planen und vorzubereiten, sondern auch mich selber in den Blick zu nehmen, innezuhalten und gleichsam geistigen Hausputz zu halten. Ich bin eingeladen, die Zeit des Wartens zu nutzen, um meine innere Haltung und Einstellung zu prüfen und zu überprüfen, zu ändern, was nicht gut ist, und mich zu öffnen für den, der in die Welt kommt, zu mir kommt (Weihnachten) oder der für mich stirbt und aufersteht, mir meine Schuld und mein Versagen nimmt und einen Neuanfang schenkt (Ostern). Doch mir gelingt es nur selten. Allzu oft sorgen der Alltag und der Aktionismus der Vorbereitungen dafür, dass ich nicht zur Ruhe komme und keine Zeit für mich selbst finde. Kommt Ihnen das bekannt vor? 

 


Ich wünsche Ihnen für den im November beginnenden Advent ausreichend Zeit zum Innehalten und zur inneren Vorbereitung, damit das Warten auf Weihnachten eine gute und gelingende Zeit „Warten wahrnehmen“ werde.

 

Ihr Erik Pühringer